Gegenüberstellung von vereinfachten Typologien versus wissenschaftlich fundierter Persönlichkeitsanalyse mit Hilfe der Big Five zum besseren Selbstverständnis

Wie Persönlichkeitstests dein Selbstverständnis stärken können

Du lernst jemanden neu kennen und dann kommt die Frage nach deinem Tierkreiszeichen?
Oder du hast einen Persönlichkeitstest mal eben im Internet für lau gemacht. Nun ist dir plötzlich sonnenklar, weshalb du mit deiner/deinem Ex völlig inkompatibel warst?
Solche typologischen Persönlichkeitsmodelle sind dir bestimmt schon oft begegnet, wenn du dich mit deiner Persönlichkeitsentfaltung beschäftigst.

Willst du ein echtes Selbstverständnis – also dich selbst besser verstehen – dann solltest du Wert auf Qualität legen.

Was ist das Gute an Typologien?

Farbtypologie unserös

Ich fand auch einige gut und hilfreich, als ich ihnen das erste Mal begegnet bin. Denn natürlich regt das zur Selbstreflexion an und es kann einen mit anderen Menschen ins Gespräch bringen. Es macht für einige zunächst sehr plastisch deutlich, dass es eben unterschiedliche Persönlichkeitsstile gibt.

Doch genau darin liegt auch die Gefahr.

Nur all zu schnell wird man damit auch in Schubladen gesteckt. Der eigentliche Austausch und Kennenlernprozess wird jäh im Keim erstickt.
„Ach ja, typisch Skorpiongeborene!“
„Du bist ein „Blauer“? Dann passen wir ja so gar nicht zusammen…“
Ende des Gesprächs.

Was wirklich wissenschaftlich fundiert ist.

Auch wenn oft mit wissenschaftlicher Fundierung geworben wird, sie steckt in solch verblüffend einfachen Typologisierungen einfach nicht drin. Bekannte Namen wie Carl Gustav Jung (1875-1961) machen aus einer einfachen Struktur, die auf eigenen Beobachtungen basiert, eben noch keine wissenschaftliche Studie.

Oder nehmen wir die Farbtypologie, nach der du entweder ein gelber, roter, blauer oder grüner Typus bist. Die Grundlage ist hier die Beobachtung von verhaltensauffälligen Kindern und Gefängnisinsassen aus den 1920er Jahren. Und nichts davon wurde bisher nach wissenschaftlichen Standards verifiziert.

Damit etwas als wissenschaftlich gilt, braucht nicht nur einen klugen Kopf, sondern viele Wissenschaftler*innen Diese überprüfen immer wieder mit anspruchsvollen Studien und konkreten Zahlen, ob die aufgestellten Thesen noch richtig sind und nicht nur Zufallstreffer.

Es braucht also mehr als eine persönliche Erfahrung á la „Ich finde mich da in der Beschreibung total wieder.“ Dahinter steckt eine Logik wie wir sie aus der Astrologie oder der Wahrsagerei kennen.

Wie kann ein echter, fundierter Persönlichkeitstests dein Selbstverständnis stärken?

1.     Selbsterkenntnis fördern: Persönlichkeitstests bieten dir eine strukturierte Möglichkeit, deine eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen. Indem du deine Persönlichkeitsmerkmale verstehst, erhältst du Einblick in dein Verhalten, deine Präferenzen und deine Denkmuster.

2.     Bessere zwischenmenschliche Beziehungen: Das Verständnis deiner Persönlichkeitsdimensionen kann dir helfen, deine zwischenmenschlichen Beziehungen zu verbessern. Du wirst nicht nur bewusster gegenüber deines eigenen Kommunikationsstils, sondern auch sensibler für die Bedürfnisse und Präferenzen anderer.

3.     Zielgerichtete Entwicklung: Persönlichkeitsdimensionen können als Leitfaden für deine persönliche Weiterentwicklung dienen. Wenn du beispielsweise niedrige Werte in der Extraversion aufweist, dies jedoch z.B. für dein berufliches Fortkommen wichtig ist, dann könntest du gezielte Schritte unternehmen, um deine soziale Interaktion zu verbessern und neue Kontakte zu knüpfen.

4.     Stressbewältigung: Das Wissen um deine Persönlichkeitsdimensionen kann dir helfen, effektiver mit Stress umzugehen. Indem du deine emotionalen Reaktionen verstehst, kannst du Techniken erlernen, um dich zu beruhigen und negative Gedankenmuster zu bewältigen.

5.     Berufliche Orientierung: Persönlichkeitstests können dir bei der beruflichen Orientierung helfen, indem sie dir Einblicke in die Bereiche bieten, in denen du am besten geeignet sein könntest. 

6.     Selbstakzeptanz fördern: Persönlichkeitstests können dazu beitragen, deine Einzigartigkeit zu schätzen und deine Selbstakzeptanz zu stärken. Indem du deine Persönlichkeit verstehst, kannst du lernen, dich selbst anzunehmen.

Viele dieser Vorteile treffen auch auf Typologien zu.

Doch behalte im Hinterkopf: Mit einem wissenschaftlichen Verfahren funktioniert das auch wirklich. Und das Beste daran: Du bekommst eine wirklich präzise Darstellung deiner Persönlichkeit. 

Präzisere Darstellung deiner Persönlichkeit – die Big Five

Das Modell der Big Five wurde rund 90 Jahre in verschiedensten Forschungsprojekten und an Universitäten rund um die Welt erforscht, verbessert und immer wieder validiert – auch heute noch.

Das hat man so lange gemacht bis das Modell Mitte der 90er Jahre eine solche Qualität und Reife erlangt hatte, dass es heute als als Goldstandard in der modernen Persönlichkeitspsychologie gilt. Es existieren zigtausende Studien dazu, die in den weltweit renommiertesten Fachzeitschriften publiziert werden. Das findest du zu keiner Typologie.

Willst du dich persönlich weiter entwickeln? Dann brauchst du mehr als die Einordnung in eine von 4 oder 12 oder 32 Schubladen. Du brauchst ein anerkanntes Verfahren, dass deine Persönlichkeit so individuell wie deinen Fingerabdruck darstellt. Das bedeutet in der Hochrechnung dann, dass es soviel „Typen“ gibt, dass wir locker über eine 5-stellige Summe sprechen.
Das ist ein echter und sinnvoller Beitrag für mehr Selbst-Verständnis.

Was ein dimensionsbasiertes Verfahren einer Typologie voraus hat

Die Big Five gehören zu den sogenannten dimensionsbasierten Verfahren. Man geht also ganz klar davon aus, dass die menschliche Persönlichkeit nicht in Typen unterteilt werden kann, sondern aus Dimensionen besteht.  Und diese stellen ein Kontinuum zwischen zwei extremen Persönlichkeitsausprägungen dar (z.B. das Kontinuum zwischen extremer Introversion und extremer Extraversion). 

Bei Typologien geht es oft um eine Entweder-Oder-Perspektive – Denken oder Fühlen? Gelb oder Blau? Wer sollte mit wem zusammen sein oder auf gar keinen Fall? 

Die Fragestellungen sind dann häufig auch gar nicht auf der Persönlichkeitsebene gestellt. Vielmehr beziehen sich Fragestellungen oft auf einen konkreten Lebenskontext wie z.B. Arbeit, Beziehung usw.

Und damit sind die Ergebnisse – wenn du so einen „Persönlichkeitstest“ öfter machst – auch immer wieder unterschiedlich. Sie bilden – wenn überhaupt – eher dein Verhalten in bestimmten Lebenssituationen ab, jedoch nicht deine Persönlichkeit.

Dimensionsbasierte Verfahren wie die Big Five liefern einfach weitaus präzisere und beständigere Informationen.

Und so kannst du dich wirklich selbst besser verstehen.
Und wenn du ein gutes Selbstverständnis hast, fällt es dir viel leichter Entscheidungen zu treffen, die passenden Partner*innen zu treffen oder einen Berufswunsch wirklich umzusetzen.

Welche Dimensionen gehören zu den Big Five

Die Big Five, sind auch bekannt als das Fünf-Faktoren-Modell. Du findest hier im Blog bereits einige Beiträge in denen ich tiefer eingestiegen bin. Daher hier nur kurz: Die Big Five sind fünf breite Persönlichkeitsdimensionen, die verwendet werden, um individuelle Unterschiede in der Persönlichkeit zu beschreiben und zu messen. Diese Dimensionen sind:

1.     Introversion vs. Extraversion: Hier verstehst du dich selbst nochmals besser, wenn du deine Art, Energie zu tanken, reflektierst. Es geht darum, wie oft, mit wie vielen und wie eng du in sozialen Kontakt gehst.

2.     Gewissenhaftigkeit vs. Flexibilität: Diese Dimension betrifft den Grad deiner Organisiertheit, Sorgfalt und Zielstrebigkeit. Es geht um deinen Arbeitsstil und die Orientierung an Prinzipien.

3.     Offenheit vs. Beständigkeit: Diese Dimension misst, wie offen eine Person für neue Ideen, Kreativität und intellektuelle Neugier ist. Spätestens hier wird deutlich, dass beide Extreme nicht unbedingt hilfreich sind, um gut durchs Leben zu kommen.

4.     Kooperation vs. Wettbewerb: Im Gegensatz zu Intro- und Extraversion, geht es hier weniger um das wie OFT, sondern tatsächlich mehr das WIE. Nämlich wie verhält sich jemand in sozialen Interaktionen. Das lässt sich mit keiner pauschalen Farbe beantworten.

5.     Sensibilität vs. emotionale Stabilität: Diese Dimension wird auch Neurotizismus genannt und bezieht sich auf deine emotionale Stabilität und Belastbarkeit.

Woran erkennst du unwissenschaftliche Persönlichkeitsprofile

Findest du kostenfreie Persönlichkeitstests im Internet, deren Fragen du in 5 Minuten beantworten kannst oder die lediglich dein Geburtsdatum brauchen, dann mache diese ruhig, wenn du keine Bedenken bezüglich des Datenschutzes hast. 

Allerdings: Betrachte die Ergebnisse mit dem gebührenden Abstand und Humor, denn sie sind sicher eines nicht – wissenschaftlich fundiert. Hier nochmals 4 konkrete Aspekte, weshalb du diese „Persönlichkeitsanalysen“ kritisch betrachten darfst:

1.     Mangelnde Zuverlässigkeit und Validität: Unwissenschaftliche Persönlichkeitstests haben oft die Treffgenauigkeit eines Münzwurfes. Also du bekommst jedes Mal ein anderes Ergebnis. Ohne eine solide wissenschaftliche Grundlage können die Ergebnisse nur ungenau und irreführend sein, was zur falschen Selbsteinschätzung führen kann.

2.     Stereotypisierung und Etikettierung: Unwissenschaftliche Tests neigen dazu, Menschen in bestimmte Kategorien oder Schubladen zu stecken. Das schränkt die Vielfalt und Komplexität der menschlichen Persönlichkeit ein. Und du nimmst dir damit Möglichkeit unter Umständen wirklich tolle Menschen kennenzulernen.

3.     Fehlende Individualität: Menschen sind einzigartig, und ihre Persönlichkeit ist komplex und vielschichtig. Unwissenschaftliche Persönlichkeitstests neigen dazu, diese Individualität zu vernachlässigen und vereinfachte Charakterisierungen zu bieten.

4.     Potenzielle Manipulation: Unwissenschaftliche Tests sind oft  anfällig für bewusste oder unbewusste Manipulation seitens der Teilnehmer*innen. Dies kann zu verzerrten Ergebnissen führen, die nicht wirklich die wahre Persönlichkeit widerspiegeln.

Fazit: Deine Reise zur Selbsterkenntnis mit Persönlichkeitstests

Die Verwendung von Persönlichkeitstests, insbesondere derjenigen, die auf den Big Five Persönlichkeitsdimensionen basieren, kann eine erstaunliche Reise zur Stärkung deines Selbstverständnisses sein.

Durch die Identifizierung deiner individuellen Merkmale und Eigenschaften erhältst du nicht nur Einblicke in deine Persönlichkeit, sondern auch wertvolle Werkzeuge zur persönlichen Entwicklung. Die Big Five bieten eine solide Grundlage, um

  • dich selbst besser zu verstehen,
  • zwischenmenschliche Beziehungen zu verbessern,
  • Stress zu bewältigen, berufliche Entscheidungen zu treffen
  • und deine Selbstakzeptanz zu fördern.

Also warum nicht einen Persönlichkeitstest in Betracht ziehen und auf eine aufregende Reise zur Entdeckung deinen eigenen Persönlichkeitsdimensionen gehen? 

Mit den LINC Personality Profiler gehen wir sogar noch einen Schritt weiter. Es geht zusätzlich um deine Motivation und deine Kompetenzen. Du wirst erstaunt sein, welche Erkenntnisse so ein Mentalcoaching mit Persönlichkeitsprofil in kürzester Zeit hervorbringt.

Und wenn du dich selbst gut verstehst, fallen dir die nächsten Schritte ebenfalls viel leichter.

Du willst mehr wissen? Dann starte gleich ins Abenteuer und vereinbare deinen Termin für unser Erstgespräch.

Autorin_Gabriele-Golling_Mentaltraining mit Herz und Verstand

Autorin: Gabriele Golling

Veröffentlicht: 13.08.2023

Menschen interessieren und faszinieren mich.

Daher fesselt mich alles Menschliche und ich kann auch mit schwierigen Themen umgehen. Gute und wertschätzende Kommunikation liegt mir dabei am Herzen. Das ist auch immer ein prägendes Thema in meinen Seminaren und Workshops.

Ich bin überzeugt, dass das echtes Wohlbefinden aller mit persönlicher Klarheit einhergeht. Daher begleite ich von Herzen gern Menschen die sich persönlich Entfaltung wollen. Eben Breiter-Tiefer-Bewusster statt Höher-Schneller-Weiter.

Für mehr Leichtigkeit im Leben, mentale Gesundheit und persönliche Resilienz.

Fotos von Frau mit ausgestreckten Armen - auf der einen ist ein Gehirn dargestellt auf der anderen ein Herz - Mentaltraining mit Herz und Verstand

Was ist eigentlich Mentaltraining?

Fotos von Frau mit ausgestreckten Armen - auf der einen ist ein Gehirn dargestellt auf der anderen ein Herz - Mentaltraining mit Herz und Verstand

Was ist eigentlich Mentaltraining?

© 2023 Gabriele Golling